Finanzkrise

Seit Ende 2007 tickern riesige Verlustzahlen durch die Medien, einige Milliarden, hunderte Milliarden und zuletzt 1,1 Billionen Euro Verlust, so schätzt der IWF (Internationaler Währungsfonds), wurden in der aktuellen Finanzkrise bereits gemacht. Die Rettungspakete der EU-Staaten plus das der USA umfassen insgesamt 2,6 Billionen Euro – also eine schwindelerregende Zahl mit zwölf Nullen. Die Summe entspricht dem, was laut UNO nötig wäre, um den Hunger in Afrika 52 Jahre lang zu bekämpfen.

Was zum Henker ist passiert?

Krisen gibt es immer wieder im Kapitalismus, und sie laufen immer ähnlich ab: Ein begehrtes Objekt (Aktien, Immobilienkredite, Öl o.ä.) steigt im Preis. Daraufhin wird noch viel mehr gekauft, da alle spekulieren, dass die Preise weiterhin steigen und sie dann einen fetten Gewinn machen wenn sie später verkaufen. Irgendwann ist der Höhepunkt erreicht, die Ersten wollen nun wieder verkaufen und ihren Gewinn einstreichen – die Preise fallen wieder rapide ab. Im aktuellen Fall wurden viele Hauskredite an Menschen vergeben, die diese kaum zurückzahlen können. Um das Risiko loszuwerden, wurden die Schuldscheine zu Wertpapieren gemacht (verkäufliche Ansprüchen auf Zins). Diese wurden in Wertpapierpaketen verschleiert und international gehandelt – als die Immobilienpreise sinken, kommen Zweifel am Wert der Papiere auf, Häuser werden zwangsversteigert und die Preise (der Immobilien und Wertpapiere) sanken weiter. Panik bricht aus, alle wollen ihre „Wertpapiere“ mit den „faulen Kredite“ nun loswerden – der Markt bricht zusammen. Die Finanzblase platzt. Ein Markt also, wo Dinge gehandelt wurden, die in ihrem Wert total überschätzt waren. Ähnliches passierte bereits 1991 in Asien mit Immobilien oder 1999/2000 mit Internetfirmen weltweit.

Wer nicht früh genug verkaufen konnte, macht nun riesige Verluste, weil die Preise ins Bodenlose fallen. Die Anleger kriegen Angst, das Vertrauen in andere Märkte sinkt ebenfalls. Immer mehr Spekulanten ziehen ihr Geld ab und tun es auf sichere Konten. Wenn zu viele Anleger ihr Geld gleichzeitig wieder haben wollen, werden Banken zahlungsunfähig. Schließlich ist das Geld verliehen worden oder steckt in Wertpapieren, die nun kräftig an Wert verlieren. Eine Bank nach der anderen geht Pleite, die Verbliebenen misstrauen sich untereinander, denn niemand weiß, wer noch alles „faule Kredite“ im Safe hat. Eine Kettenreaktion beginnt – weltweit brechen die Finanzmärkte ein. Der Staat hilft, indem er die Wertpapiere aufkauft, die eigentlich nix mehr wert sind, weil niemand mehr an ihren Wert glaubt. Er pumpt also haufenweise frisches Geld in den Markt um die Kettenreaktion aufzuhalten, um das Vertrauen in die Märkte zu stärken, um zu verhindern das der „Geldfluss“ zum erliegen kommt, kurzum: er rettet die Finanzmärkte vor sich selbst.

Wer hat das verbockt?

Alle sind furchtbar schockiert, als hätte es noch nie eine Krise gegeben. Schuldige werden gesucht und gefunden: gierige Bänker, schamlose Häuslebauer, untätige Bankkontrolleure. Aber wie so oft hat das nicht viel mit der Realität zu tun.
150 Billionen Dollar (150.000.000.000.000$) ist das geschätzte Volumen der globalen Finanzmärkte. Geld was immer weiter angehäuft wird, durch die Ausbeutung der LohnarbeiterInnen, mit Hilfe der Staatsverschuldung und mit besonders kräftiger Unterstützung der Lohn-, Steuer-, und Sozialkürzungen, die Weltweit die Politik der letzten Jahrzehnte bestimmte. Kapital, was auf der Suche nach Profiten, immer mal wieder auch Finanzblasen entstehen lässt, die dann Krisen auslösen können. Das Geld kommt aus der „realen“ Wirtschaft und wird von dieser auch gebraucht (in Form von Krediten, Aktien etc.) deshalb retten die Regierungen jetzt Banken. Das eine „Ver-trauenskrise“, der „Herdentrieb“ der Spekulanten und ähnlich kuriose Dinge, nun die „Weltwirtschaft bedrohen“, also auch die Existenz unzähliger Menschen zeigt, dass Finanzmarkt und „Realwirtschaft“ zwei Seiten einer Medaille sind: des Kapitalismus.

Scheiße! Und jetzt?

Aus einer Finanzkrise, wird leicht eine Wirtschaftskrise, da die Investitionen abnehmen, Kredite nicht mehr so leicht vergeben werden – und alle insgesamt vorsichtiger werden. Am härtesten trifft es in einer Wirtschaftskrise all jene die ohnehin nicht viel haben. Arbeitslosigkeit, steigende Armut oder Obdachlosigkeit sind schon jetzt sichtbare Folgen der Krise. Der Steuerzahler wird für die Verluste der Banken auf-kommen müssen, da der Staat ein Zusammenbrechen des Geldsystems befürchtet. Um die schlimmsten sozialen Auswirkungen abzuwenden wären folgende Maßnahmen sinnvoll, vor Allem dann, wenn sie von vielen Industriestaaten gleichermaßen durchgeführt werden:

  • Der Auf- und Ausbau umfangreicher sozialer Sicherungssysteme
  • Verbot von Finanzspekulation im Zusammenhang mit Lebensmitteln, Energie und Wohnraum.
  • Hohe Steuern auf die Spekulation mit Wertpapieren aller Art, um die Folgen der Krise zu finanzieren.
  • Die Schließung von allen Steueroasen und Steuerschlupflöchern sowie die Einführung hoher Vermögenssteuern.

Solche regulierenden Maßnahmen, können die schlimmsten Auswirkungen für die Menschen lindern und die Entstehung von Finanzkrisen hemmen. Klar sein muss jedoch, dass Armut, Reichtum, Ausbeutung und Konkurrenz, Elemente der Marktwirtschaft sind, in der nicht die Menschen zählen sondern nur die Profite. Der Immobilienboom und die Spekulationsblase in den USA, hat dort zu Wirtschaftswachstum geführt, an dem auch in der Bundesrepublik kräftig mitverdient wurde. Die USA hat dies gefördert um eine vergangene Wirtschaftskrise zu überwinden. Das Kapital ist auch jetzt noch auf der Suche nach den „höchsten Renditen“ und der Unternehmer, der durch seine LohnarbeiterInnen viel Gewinn gemacht hat, will auch weiterhin das Geld, was er gerade nicht braucht, profitabel anlegen. Soviel ist sicher, die nächste Krise kommt bestimmt. Die Verrücktheit, dass ganze Gesellschaften nur für die Vermehrung kleiner bedruckter Scheine arbeiten, fällt kaum noch jemandem auf. Viel zu Normal ist es schon, dass unser Leben, unsere Exis-tenz vom Funktionieren irrationaler Märkte abhängt. Und das eine kleine Elite sich auf dem Rücken aller anderen riesige Vermögen aneignet. Es wäre also sinnvoll:

  • Alle Bereiche die das Leben absichern: Energie, Verkehrsbetriebe, Gesundheitswesen, Wohnraum etc. komplett in öffentliches Eigentum zu über-führen, also den Märkten zu entziehen und unter die Kontrolle der Bevölkerung zu stellen.
  • Eine soziale Grundsicherung einzuführen, die allen Menschen, ohne wenn und aber ausgezahlt wird. Das würde die Löhne insgesamt anheben und ein würdiges Auskommen für alle ermöglichen. Alle Banken zu enteignen und das ganze Finanz-system unter eine starke öffentliche Kontrolle zu stellen.

Happy End?

Das alles würde riesige Geldsummen erfordern. Geld, was offensichtlich vorhanden ist. Allerdings währen die Bedingungen für das Kapital, viel schlechter als vorher. Hohe Steuern und höhere Löhne liegen nicht im Interesse der UnternehmerInnen und Aktionäre. Der höhere Konsum kann die Verluste nur zum Teil ausgleichen. Das Kapital würde „abwandern“ – dahin wo die Profitaussichten größer sind. Das Wirtschafts-wachstum, auf welches der Staat (mit seinen Schulden) letztlich angewiesen ist, würde stark abnehmen. Das macht die genannten Maßnahmen nicht weniger sinnvoll. Aber wir sind nicht naiv und wissen, dass der kapitalistische Staat seine eigene Existenzgrundlage nie gefährden würde. Zumindest zeigten die Eliten bisher keinen Hang zur Selbstzerstörung. Es muss neben vielen sinnvollen Forderungen also auch darum gehen, über die Absurdität und Brutalität des Systems aufzuklären. Das Wissen darüber, wie Kapitalismus funktioniert und die Erkenntnis, dass der Staat uns nicht „retten“ wird, helfen uns im Widerstand gegen ein menschenverachtenes und umweltzer-störendes System. Aktiv zu sein im Aufbau von polit-ischen Gruppen und Netzwerken, die vor allem ein Ziel haben: Kapitalismus abschaffen. In unserem Kampf um eine alternative Gesellschaft, in der die Wirtschaft den Bedürfnissen der Menschen dient – liegt der wichtigste Schlüssel zur Überwindung solcher Krisen und aller anderen Zumutungen des Kapitalismus. Für was könnte eine globale Finanzkrise gut sein, wenn nicht für das Erwachen einer Begierde – einem unstillbaren Durst nach einem Leben frei von Konkurrenz und Zwang, frei von Unterdrückung und Ausbeutung.

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