Konsumkritik – Was ist das?

Konsumkritik – Was ist das?

Teil 1 Einführung

Von Dennis (Mitglied der Linksjugend [’solid])

Konsumkritik ist eine Interventionsform, die – wie der Name schon vermuten lässt – durch Konsum oder Nicht-Konsum bestimmter Güter arbeitet. Produkte aus fairem Handel sind wahrscheinlich jedem/jeder schon in den Regalen des Einkaufsladens aufgefallen. Sie sind ein Beispiel unter vielen, wie man diese Protestform umsetzen kann. Denn durch den Kauf dieser Güter, so besagt die Grundidee, unterstützt man die Produzenten direkter, als bei normal gehandelten Gütern. Auch der Nicht-Kauf eines anderen Produktes ist Teil dessen. Würde,diese Idee weiter gedacht, die breite Masse fair gehandelte Produkte anstelle Anderer kaufen, würden große Konzerne auf die geänderte Nachfrage reagieren müssen oder geringere Umsätze akzeptieren. Das ist die Grundidee fairen Handels.

Die Umsetzung ist jedoch, wie es oftmals bei idealistisch inspirierten Projekten der Fall zu sein scheint, nicht immer optimal. So wird Fair-Trade Produkten, als bekanntestem Vertreter von fairem Handel, eine mangelnde Transparenz in der Finanzkette vorgeworfen. Sodass nicht nachverfolgt werden kann, ob die finanzielle Hilfe auch wirklich bei den Produzenten ankommt. Auch die Unabhängigkeit der Zertifizierung, also der Siegelvergabe für neue oder bestehende Produkte, ist kritisch zu hinterfragen. Ebenso wie bei allen anderen fremdfinanzierten „unabhängigen“ Institutionen. Doch fairer Handel ist nur eine Form, die in dem breiten Feld der Konsumkritik angesiedelt ist.

Eine andere Form ist der Boykott von Produkten bestimmter Firmen. Die Größe von Produktboykotten (gemeint ist die Anzahl der Teilnehmer) kann dabei ebenso variieren wie die Dauer, die Produktvielfalt und die Größe der boykottierten Firmen. Es ist leicht vorstellbar, dass kleine oder mittelständische Unternehmen schneller und einfacher zum Einlenken in den kritischen Fragen bewegt werden können, als multinationale Konzerne.

Ein weiteres Beispiel für Konsumkritik ist die Unterstützung regionaler Produzenten, deren Produkte meist eine wesentlich bessere ökologische Bilanz aufweisen. Diese wenigen einfach umzusetzenden Beispiele sind für jeden Menschen umsetzbar, der die finanziellen Voraussetzungen erfüllt. (Ein Empfänger von Arbeitslosengeld oder Sozialleistungen beispielsweise wird sich sehr genau überlegen, ob er den etwas teurerem aber fair gehandelten Kaffee kauft, als jemand der nicht auf diese Leistungen angewiesen ist.)

Für uns, als links gerichtet denkende Menschen kommt hinzu, dass die Kritikformen an sich hinterfragt werden sollten. Denn eine totale Abkehr von dem kapitalistischen Denken, ganz zu schweigen von dem auf Kapital ausgerichtetem System, ist durch diese Protestform wohl kaum zu erreichen. Schon allein aus der Tatsache heraus, dass die Mechanismen des gewinnorientierten Marktes genutzt werden.

Dennoch ist es eine Protestform, die für eine sehr große Masse ohne großen Aufwand umsetzbar ist. Immer vorausgesetzt dass die individuellen Voraussetzungen – das nötige Geld, der Wille es auch auszugeben und die Möglichkeit solche Güter zu erstehen – erfüllt sind. Die Gedanken darüber, ob es der Protest die eigene Unterstützung wert ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Auf jeden Fall sollte die Kritikform jedoch bedacht werden. Sei es nur um die bestehenden Verhältnisse in das Bewusstsein der Menschen zu rücken oder die Produzenten der Güter etwas zu unterstützen, bis sich größere und umfassendere Veränderungen der Verhältnisse umsetzen lassen.