Mitbestimmung und Selbstbestimmung für alle

„Die heutige Jugend ist völlig verdorben. Das löst bei uns älteren begrifflicherweise einen kolossalen Neid aus – was haben wir nicht alles verpasst!“ (Gerhard Kocher)

In unserer parlamentarischen Demokratie ist die Mitbestimmung durch ver­schiedene Schranken eingegrenzt. Wir wollen, dass sich junge Men­schen an der Gestaltung der Stadt beteiligen können. Daher fordern wir die Einrichtung eines Ju­gendgremiums, mit Entsende- und Stimmrecht in allen Ausschüssen des Gemeinderats, sowie ein auf­schiebendes Veto, welches weitere Debatten zu bestimmten Punkten erzwingt. Debatten, die nicht in Hinterzimmer stattfinden, sondern alle Jugen­dverbände der Stadt Karlsruhe mit­nehmen und jeder Interessierten offen sind. Junge Menschen sollten möglichst früh an demokratische Entscheidungsfindungsprozesse herangeführt werden. Wir halten es für undemokratisch die Beteiligung junger Menschen an ihrer eigenen Zukunftsgestaltung auf eine außerparlamentarische Ebene zu be­schränken.

Wir treten für eine sozial gerechte, kulturell vielfältige und offene Stadt zur Entwickelung von Jugendkultur in Karlsruhe ein. Junge Menschen brauchen Möglichkeiten zur individuellen Entfaltung. Diese ist überaus wichtig zur kulturellen Entwicklung. Es muss Raum vorhanden sein, in dem sich Jugendliche künstlerisch entfalten können. Die umfassendsten Gestaltungsmöglichkeiten bieten natürlich selbstverwaltete Räume. Diese gilt es besonders zu fördern.

Viele junge Menschen haben Schwierigkeiten, aufgrund ihrer wirtschaftlichen Situation am bestehenden Angebot teilzunehmen. Kinder- und Jugendarmut sind durchaus auch in Karlsruhe ein Thema. Diese Jugendlichen dürfen nicht ausgeschlossen werden. Es müssen finanzielle Vergünstigungen geschaffen werden, welche genau dies verhindern. Jugendkultur findet aber nicht nur auf künstlerischer Ebene statt. Sie steht ebenso für Raum zur Freizeitgestaltung, z. B. um sich im Sommer am See zu treffen oder draußen mit Freunden zu grillen. In diesen Möglichkeiten dürfen junge Menschen nicht eingeschränkt werden.

Die Kriminalisierung von jugendlichen Grenzerfahrungen nutzt niemandem! Wesentlich sinnvoller wäre eine Analyse zum momentanen Jugendangebot innerh­alb der Kommune anzustoßen. Wir wollen wissen, wie Jugendliche das Angebot der Kommune einschätzen. Wie attraktiv ist das Angebot? Die Linksjugend [`solid] Karlsruhe fordert die Kommune auf, die nötige organisatorische Arbeit zu leisten.

Junge Menschen können in selbstverwaltete Jugendzentren nach ihren ei­genen Vorstellung Pläne entwickeln und diese umsetzten. Sie bieten einen Raum, den sich Jugendliche und junge Menschen selbst gestalten können, also geben sie nicht nur die Chance zur Selbstver­wirklichung, sondern auch die Möglichkeit, soziale Prozesse zu erlernen. Im Gegensatz zum Konsum von Jugendkultur vermittelt die Selbstverwaltung Verantwortungsge­fühl und Pflichtbewusstsein. Wir brauchen in Karlsruhe mehr Möglichkeiten, sich außerhalb der Konsumgesellschaft und der kapitalistischen Verwertungslogik zu ent­falten.  Junge Menschen müssen dazu ermutigt werden, selbst zu gestalten und Verständ­nis für Demokratie und ein solidarisches Zusammenleben zu entwickeln. Deshalb fordern wir eine stärkere Förderung von selbstverwalteten Projekten in Karlsruhe durch die Kommune.

Wir meinen, dass die kostenlose Nutzung des ÖPNVs nicht nur eine faire Alternative zum bis­herigen Fahrkartensystem ist, sondern dass so auch die Umweltbelastung durch Lärm und Smog in Karlsruhe gesenkt wer­den würde. Außerdem sollen kostenlose Nachtbusse eingerichtet werden, die jungen Menschen aus den Randgebieten abendliche Aufenthalte in der Stadt er­möglichen, wie auch umgekehrt. Gleichzeitig sollte es für alle Bürgerinnen die Möglichkeit geben, sich an der Fahrplantaktung zu beteiligen und so über eine ökologische und sinnvolle Gestaltung der Fahrpläne mitzubestim­men.

Wir fordern deshalb:

  • Einrichtung von Jugendgremien, die Entsende- und Stimmrecht in allen Ausschüssen des Gemeinderates haben,
  • Jugendgemeinderäte, die nicht nur mitreden, sondern auch mitentscheiden dürfen,
  • Mehr selbstverwaltete Jugendzentren, in denen sich junge Menschen frei entfalten können,
  • Erhalt und Ausbau nicht-kommerzieller Kultur-, Sport- und Freizeitangebote, so wie Grillplätze, Spielplätze und Bolzplätze,
  • Kostenloser Zugang zu allen städtisch geförderten Kultureinrichtungen, wie Kinos, Bäder, Theater, Konzerte für alle,
  • Keine Verdrängung alternativer Lebensformen und Subkulturen,
  • Kostenloser öffentlicher Nahverkehr für alle.

ver

 

 

 

 

 

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird im Text nur die weibliche Form verwendet. Gemeint sind stets sowohl die männliche, weibliche, als auch transgender Formen.

Advertisements
%d Bloggern gefällt das: