Hintergründe

Hochradioaktiver Atommülltransport Rollt auf Straßenbahnschienen mitten durch die Stadt

Aus dem Kernforschungszentrum Karlsruhe in Eggenstein-Leopoldshafen – Campus Nord des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) – soll jetzt im Februar (voraussichtlich am 16.02.) ein hochgefährlicher Atommülltransport auf Straßenbahnschienen mitten durch die Wohngebiete der Stadt rollen. Die 5 CASTOR-Behälter enthalten mit 16 Kilogramm Plutonium und über 500 Kilogramm Uran das Potential von mehreren Atombomben. Tödliche radioaktive Strahlung noch für Jahrtausende.

Woher stammt überhaupt dieser Atommüll?
Dazu ein kurzer Blick in die Geschichte des Kernforschungszentrums. Es wurde 1956 vom damaligen Bundesminister für Atomfragen, Franz-Josef Strauß, gegründet. Der einzige Zweck war und ist im Auf-trag der Politik und vor allen Dingen der Atomindustrie einen wissenschaftlichen Deckmantel zur Vertu-schung atomarer Gefahren abzugeben. Gleichzeitig der Erfüllungshilfe der Atomindustrie zu sein. Mit öffentlichen Geldern wurde und wird dort immer im Voraus im „kleinen“ getestet und gebaut, was spä-ter im atomaren industriellen Bereich eingesetzt werden soll.

Dies belegt die gesamte Geschichte des Kernforschungszentrums. Bereits im April 1960 wurde die Projektgruppe „Schneller Brüter“ gegründet. 1961 erfolgte die erste Inbetriebnahme eines sog. For-schungsreaktors, sprich eines Atomkraftwerkes im Kleinformat.

Das Kernforschungszentrum war bei allen zentralen Projekten der Atomindustrie vorneweg mit da-bei. Auch bei der Errichtung einer sog. „Wiederaufbereitungsanlage (WAA) für Versuchszwecke“ auf dem Gelände des Kernforschungszentrums im Jahre 1971. Die in Bayern geplante deutsche „Wiederaufarbeitungsanlage“, besser Plutoniumfabrik genannt, scheiterte in den 80er Jahren am Widerstand der Anti-AKW-Bewegung. Diese Anlage in Karlsruhe produzierte eine hochgiftige und hochradioaktive. Atomsuppe, die fortwährend umgerührt werden musste, damit sie nicht explodier-te. Die atomaren Brennstäbe dazu stammten aus den Atomkraftwerken in Neckarwestheim und Philippsburg.

Die Kosten für die Verglasung des hochradioaktiven Abfalls in Kokillen lagen ursprünglich bei 1,1 Milliarden Euro. Die Hälfte davon sollte die Industrie zahlen, der Rest wiederum aus Steuergeldern kommen. Inzwischen kostet alles mindestens 3 Milliarden, die Mehrkosten zahlt allein der Steuer-zahler. Soweit zum Thema billiger Atomstrom.

Es gab zahlreiche Skandale im Zusammenhang mit dem Bau der Verglasungsanlage durch radio-aktive Verstrahlungen und dem Diebstahl von Plutonium. Kritik an der Kostenexplosion und Zweifel an der Zuverlässigkeit der Betreiber. Deshalb wurde die atomare Wiederaufbereitungsanlage zum 1. Januar 2006 von der bundeseigenen Firma Energiewerke Nord übernommen. In das ursprüng-lich nur für atomare Abfälle der ehemaligen DDR geplante Zwischenlager in Greifswald/Lubmin soll nun der Atommüll verschoben werden.

Das Kernforschungszentrum war federführend an der Atommüllverschiebung in die ASSE beteiligt. Dort wurden 127.080 Fässer mit Atommüll falsch deklariert und auch illegal eingelagert. Die meis-ten davon stammen aus dem Kernforschungszentrum Karlsruhe. Selbst als bereits täglich 12000 Li-ter radioaktive Lauge abgepumpt werden musste, wurde von den Verantwortlichen noch alles ge-leugnet. Die vorläufige Sanierung der ASSE wird bis jetzt mindestens 2,5 Milliarden Euro Steuer-gelder kosten.

Atommüll und keine Ende?

Die offizielle Version der schwarz-gelben Bundesregierung lautet: wir haben eine Energiewende eingeleitet. Tatsächlich ist jedoch genau das Gegenteil erfolgt. Die Erneuerbaren werden ausge-bremst. Die Atomkraftwerke sollen bis zum Sankt Nimmerleinstag weiterlaufen. Es gibt kein Ab-schaltdatum sondern fest garantierte Strommengen, die weit über die offiziellen 14 Jahre Lauf-zeitverlängerung hinausgehen. Diese können von AKW zu AKW übertragen werden. Alleinige Milliarden-Gewinner sind die vier Energiekonzerne EnBW, RWE, Vattenfall und EON. Zusätzlich nutzen sie gerade wieder ihre Monopolstellung für kräftige Strompreiserhöhungen.
Verhindert wird mit dieser Knebel-Vereinbarung die mögliche sofortige Energiewende. Alles geht zu Lasten der AKW-Sicherheit und der ungeklärten Atommüllfrage. Der radioaktive Abfall wird noch einmal verdreifacht.

Was sind die Kernpunkte der Regelungen, sprich Zusagen an die AKW-Betreiber?

Laufzeitverlängerungen durch die Garantie von Atomstrommengen für jedes AKW, jahr-zehntelanger Weiterbetrieb ist fest vereinbart

Zugesagte Strommengen können übertragen werden, keine Abschalttermine

Brennelementesteuer von jährlich 2,3 Mrd. Euro unter dem Vorbehalt der vollen steuerlichen Absetzbarkeit (von 2011 – 2016 geplant)

Lächerliche 200 Millionen ab 2013 als „Förderbeiträge“, (300 Millionen in 2011+2012) eben-falls unter steuerlichem Vorbehalt der Betreiber, werden ansonsten reduziert

Atomkonzerne kaufen sich für alle Zeiten von sämtlichen Endlagerkosten für den hochra-dioaktiven Atommüll durch die Knebel-Vereinbarung frei

Sicherheitsrelevante Nachrüstkosten werden auf 500 Millionen Euro für jedes AKW be-schränkt, sonst ebenfalls Reduzierung der Zahlungen

In diesem Geheimvertrag wird sogar der Klageweg gegen die Brennelementesteuer für die Atomkon-zerne offen gehalten. Durch die zugesagten Strommengen können sie mindestens 100 – 140 Milliar-den Euro zusätzlich verdienen. Nur einen Bruchteil davon sollen sie abgeben, dies immer steuerlich absetzbar. Selbst in der CDU regt sich zarter Widerspruch zum Knebelvertrag. Aber Kanzlerin Merkel verkündet die revolutionäre Energiewende und die Atom-Bosse jammern gemeinsam öffentlich über die angeblich hohen Belastungen und lachen sich dabei ins Fäustchen über ihren Sieg. Diese Laufzeitver-längerungen würden die Menge des hochradioaktiven Atommülls noch einmal verdreifachen. So nicht!

Wir rufen dazu auf gegen die Atommüllverschiebung von Karlsruhe nach Lubmin am Transporttag (16.02.11) entlang den Straßenbahnschienen in Karlsruhe zu demonstrie-ren. Aktionen entlang der gesamten Transportstrecke durchzuführen. Wir wollen keine weitere Atommüllproduktion mehr. Wir akzeptieren keine Laufzeitverlängerungen.

Wir wollen den Atomausstieg sofort! – die Energiewende jetzt!

_______________________________

Castor 2010: Atomkraft abschalten!

Im Herbst 2010 steuert die Auseinandersetzung um die Atomkraft auf ihren Höhepunkt zu: Auf Basis eines Energiekonzepts will die Regierung mit den Stromkonzernen über längere Laufzeiten für die 17 hiesigen Atomkraftwerke verhandeln. Doch ob wirklich alle AKW weiterbetrieben werden oder vielleicht sogar schneller aus der Atomkraft ausgestiegen wird, ist völlig offen. Denn die Regierenden fürchten den öffentlichen Aufschrei, sollten sie weiter auf die gefährliche Atomenergie setzen.

Der Castor-Transport ins atomare Zwischenlager Gorleben soll voraussichtlich am 05. November anrollen. Er fällt in diesem Jahr also genau in diese für die Zukunft der Energiepolitik so entscheidende Zeit. Unser Protest gegen die strahlende Fracht wird zum Gradmesser für die öffentliche Ablehnung der Atomkraft.

Mit einer Aktion Zivilen Ungehorsams wollen wir ein entschlossenes Zeichen setzen: Viele Menschen widersetzen sich gemeinsam dem Transport mit einer großen, gewaltfreien Sitzblockade. Unsere Botschaft an Regierung und Konzerne: Die Menschen wollen, dass endlich Schluss ist mit der Atomenergie. Wir setzen auf Erneuerbare Energien und Energieeffizienz, statt auf eine überkommene Risikotechnologie!

Gorleben steht für die ungelöste Entsorgung von Atommüll. Hier zeigt sich: Atomkraft bürdet unzähligen Generationen nach uns eine tödlich strahlende Hypothek auf. Der Salzstock Gorleben ist als Endlager genauso ungeeignet wie die Asse, die 100.000 Jahre dicht halten sollte, aber bereits nach vier Jahrzehnten absäuft. Umso unverantwortlicher, dass weiter hochradioaktiver Atommüll nach Gorleben rollen soll.

Jetzt gilt es, den Atomausstieg selbst in die Hand zu nehmen. Beteilige Dich am Protest gegen den Castor-Transport und gegen eine Renaissance der Atomkraft!

Advertisements
%d Bloggern gefällt das: