Kurzbericht: Vielfältiger Protest gegen Nazi-Fackelmahnwache

+++ „Der Berg gehört uns!“ +++ 1000 Menschen beteiligt an antifaschistischem Protest +++ 800 AntifaschistInnen auf der Demonstration durch die Pforzheimer Innenstadt +++ 500 AntifaschistInnen brechen aus +++ Zufahrtswege zur Nazimahnwache blockiert +++ Massive Polizeiübergriffe auf NazigegnerInnen vor, während und nach den Blockaden +++ Nazi-Mahnwache musste starke Einschränkungen hinnehmen +++ Laut Demo-SanitäterInnen Mindestens 50 Verletzte +++

Der Berg gehört uns
Am 23. Februar 2014 machten sich AntifaschistInnen aus ganz Baden-Württemberg auf den Weg nach Pforzheim um die Nazis an ihrer Fackelmahnwache zu hindern.
Rund 800 Personen sammelten sich am Marktplatz um anschließend mit einer großen Demonstration durch die Innenstadt zu ziehen. Auf halber Strecke entschlossen sich etwa 500 NazigegnerInnen von der angemeldeten Demoroute abzuweichen um sich ihren Weg auf den Berg zu bahnen. Dort wurden verschiedene Blockadepunkte besetzt um die Nazis an der Anreise zu hindern. Diese wurden immer wieder mit Knüppeln und Pfefferspray von der Polizei angegriffen und teilweise gekesselt. Insgesamt haben sich auch in diesem Jahr über 1000 Menschen an den Aktivitäten gegen die Neonazis beteiligt. Die Pforzheimer Zeitung schrieb über Twitter: „so nah waren #Nazigegner noch nie am Mahnwachenort.“

Nicht alle Wege führen zum Wartberg

Einzelnen Nazigruppen versuchten über die Felder nördlich des Wartbergs ihre Kundgebung zu erreichen. Teilweise scheiterten diese am vielfältigen antifaschistischen Widerstand, teilweise an den zu ihrem eigenen Schutz errichteten Polizeiabsperrungen. Letztendlich schafften es nur ca. 100 Nazis auf den Wartberg, wovon die meisten bereits am frühen Mittag angereist waren und stundenlang in ihren Autos ausharren mussten. Ihre Mahnwache hielten sie dann von allen Seiten begleitet durch lautstarke antifaschistische Parolen und gestört von pyrotechnischen Effekten der AntifaschistInnen ab. Um den reibungslosen Abmarsch der Neonazis zu organisieren kesselten mehrere Hundertschaften den Blockadepunkt am Freibad kurz vor Ende der Mahnwache, immer wieder wurden heftige Polizeiübergriffe gegen AntifaschistInnen mit Schlagstöcken und Pfefferspray rund um den Wartberg gemeldet.


Angriff auf spontane Demonstration

Nachdem die Nazis sich vom Plateau auf dem Wartberg entfernten wurde am Hotel Hasenmayer eine spontane antifaschistische Kundgebung angemeldet an der sich über 300 Menschen beteiligten. Diese wurde umgehend mit massiver Polizeigewalt konfrontiert, wobei unter anderem der Anmelder und viele weitere verletzt wurden, nur um den Nazis ihren Rückweg frei zu prügeln. Von der Kundgebung aus formierte sich eine kraftvolle Spontandemonstration den Berg hinunter und blockierte eine größere Kreuzung um sich mit den Menschen die immer noch in einem Kessel am Wartberg ausharrten zu solidarisieren. Als sich abzeichnete, dass der Kessel kurz vor der Auflösung steht bewegte sich die Demo weiter in Richtung Bahnhof. Nach der Ankunft wurde diese von Greiftrupps angegriffen, die mit massiver Gewalt einzelne Personen aus der Menge zogen.

Fazit
Im Großen und Ganzen werten wir den heutigen Tag als Erfolg für die antifaschistische Bewegung in Baden-Württemberg, da an einem Sonntag Abend bis zu 1000 Menschen gegen einen faschistischen Aufmarsch mobilisiert werden konnten. Die meisten machten sich letztendlich auch auf den direkten Weg zum Wartberg um die Nazis zu blockieren. Es konnten mehrere Blockadepunkte errichtet und teilweise gegen brutal auftretende Polizeitrupps verteidigt und gehalten werden. Von den Nazis schafften es wie im letzten Jahr Viele gar nicht erst auf den Kundgebungsplatz. Auch positiv erscheint die Tatsache, dass die Nazis bei der Polizei im Vorhinein eine Namensliste mit den Teilnehmer abgeben mussten um zu verhindern, dass GegendemonstrantInnen auf das Wartberg-Plateau kommen. Eine derartige Einschränkung der Nazi-Veranstaltung ist Ergebnis entschlossenen antifaschistischen Protests der letzten Jahre und bestärkt uns in der Einschätzung auf dem richtigen Weg zu sein.

Die Kehrseite der Medaille ist allerdings offensichtlich: Wieder einmal wurden die AntifaschistInnen massiv von den anwesenden Polizeikräften angegriffen und an ihrem legitimen Anliegen, Geschichtsverdrehung und faschistische Hetze zu unterbinden, gehindert. Über 50 verletzte Personen auf Seiten der DemonstrantInnen sprechen eine nur allzu deutliche Sprache: Sie zeigen wie die Polizei mit allen nur möglichen Mitteln versucht den Faschisten ihr Event zu ermöglichen. Davon werden wir uns allerdings nicht einschüchtern lassen: Überall dort, wo Faschisten aufmarschieren, werden wir uns ihnen in den Weg stellen und uns für ein solidarisches Miteinander einsetzen.

23. Februar, …NICHT LANGE FACKELN!

nonazis23feb.blogsport.de/

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