Anti-Homo-Demo ausgebremst

Am Samstag hielten Befürworter und Gegner des Bildungsplanes jeweils eine Kundgebung in der Stuttgarter Innenstadt ab. Anschließend bremsten die Befürworter den geplanten Demozug der Homophoben aus. Letztere machten gemeinsame Sache mit Nazi-Aktivisten und schützten sie trotz Hinweis auf deren politische Zugehörigkeit (JN).

Diesmal ging es bei der Mobilisierung vor allem um Schnelligkeit. Erst wenige Tage vorher erfuhren Genossen von der Demo gegen den Bildungsplan auf dem Schlossplatz in Stuttgart. Der Versuch, ebenfalls eine Kundgebung auf dem Schlossplatz anzumelden, scheiterte. Es gäbe bereits eine weitere angemeldete Aktion, hieß es vom Ordnungsamt. Von dieser war jedoch am Samstag keine Spur zu sehen. Sven „Gonzo“ Fichtner, Kreisvorstandsmitglied der LINKEn sowie Sprecherratsmitglied der Linksjugend [’solid] Stuttgart, bekam als Kundgebungsort den benachbarten, jedoch weitaus weniger öffentlichkeitswirksamen Schillerplatz zugewiesen. Dieser wäre von der Polizei sehr leicht zu kesseln gewesen, was glücklicherweise nicht passierte.

An der Kundgebung der Bildungsplan Befürworter nahmen zahlreiche Personen aus dem linken und grünen Spektrum teil, ebenso wie die Piraten, die Organisatoren des CSD, Homosexuellen-, Transsexuellen-, Transgender-, und sonstige Queer-Gruppen. Die Schätzungen der Teilnehmerzahl schwanken zwischen 600 und 1.000. Die Rednerinnen und Redner betonten mehrfach, dass es ihnen bezüglich des Bildungsplanes zu „sexueller Vielfalt“ ausdrücklich NICHT um Sexualpraktiken geht, sondern um verschiedene Modelle des Zusammenlebens und -liebens sowie um die Aufklärung über die Vielfältigkeit der Geschlechter, die in der Realität weit über das etablierte Mann-Frau-Bild hinausgeht bzw. das Aufbrechen gesellschaftlich konstruierter Geschlechterrollen. Der Kundgebungsanmelder Sven „Gonzo“ Fichtner zeigte sich zufrieden mit der Veranstaltung sowie der Mobilisierung.

Nur einige Meter weiter offenbarte sich, dass einige sich besser mal die queere Kundgebung angehört hätten. Am Pavillon schürten Redner Hass und Angst auf bzw. vor Homosexuellen und dem Bildungsplan. Erziehung sei Elternsache, Kinder bräuchten „Liebe und keinen Sex“ (diesen Hinweis sollte man besser mal der katholischen Kirche zukommen lassen) und natürlich sahen sie die traditionelle Ehe massiv bedroht. Kaum einer von ihnen schien sich mit dem Bildungsplan überhaupt schon beschäftigt zu haben. Unter die Homophoben hatten sich schon frühzeitig auch queere Aktivist*innen gemischt, die durch Sprechchöre („Eure Kinder werden so wie wir“) und spontane gleichgeschlechtliche Kiss-Ins für Verwirrung und Empörung sorgten.

Dann setzte sich der Demozug der Homohasser in Bewegung Richtung Schloss. Dabei kamen sie recht nah am Schillerplatz vorbei und so stießen die Aktivist*innen beider Seiten in größerer Zahl aufeinander. Etwa auf Höhe des Schlosses war dann erstmal Schluss für die Ewiggestrigen. Etwa die Hälfte der Bildungsplanbefürworter, darunter Linksjugend, Grüne Jugend, Piraten, linke Aktivist*innen sowie CSD-Aktivist*innen, machten sich erfolgreich daran, die Demo der Gegner zu blockieren. Die Polizei versuchte mehrfach, die Blockierenden einzukesseln, was jedoch nicht gelang. Daher zogen sie kleine Gruppen und Einzelpersonen heraus, um sie von der Masse zu trennen. Vereinzelt kam es dabei zu Rangeleien. „Schützt unsere Kinder“, skandierten die Homohasser. „Vor euch selbst!“ schallte es zurück.

In der Demo der Bildungsplangegner konnten drei Nazi-Aktivisten der NPD-Jugendorganisation JN identifiziert werden. Als Antifa-Akivisten sie von der übrigen Demo zu trennen versuchten, erhielten sie kräftig Unterstützung von den Konservativen. Auf den Hinweis auf deren politische Identität hieß es nur „So lange sie für das gleiche Ziel kämpfen wie wir… .“

Gut eine Stunde benötigten die rechtspopulistischen und christlich-fundamentalistischen Demonstranten, um sich im Schneckentempo eine dreiviertel Runde über den Schlossplatz zu schieben. In der Stauffenbergstraße war dann endgültig Schluss. Die homophobe Demo löste sich allmählich auf, begleitet von hämischen Sprechchören der Gegendemonstranten.

Über das Blockieren einer gegnerischen Demonstration als Aktionsform gibt es innerhalb der Gruppen der Bildungsplanbefürworter unterschiedliche Meinungen. Dies ist in Ordnung und sollte sachlich diskutiert werden. Ein emotional aufgeladener Streit oder gar eine Spaltung würde nur den politischen Gegnern nützen.

www.linksjugend-solid-bw.de

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