Offener Brief zu den „Bw-Adventure Camps 2012″

Sehr geehrte BRAVO-Redaktion, sehr geehrtes Bundeswehrpresseamt,

der BundessprecherInnenrat der Linksjugend[’solid] kritisiert den von der Jugendzeitschrift Bravo auf ihrer Youtube-Präsenz in Kooperation mit der Bundeswehr veröffentlichten Werbespot „Bw-Adventure Camps 2012“ auf entschiedenste Weise.

Was sich die BRAVO hier geleistet hat, ist an Unangemessenheit kaum zu überbieten. Einen Clip der Bundeswehr mitzupräsentieren und sie als friedliche Spaßtruppe zu zeigen, ist für uns von der Linksjugend[’solid] vollkommen inakzeptabel.

Die Bundeswehr ist kein Disneyland mit zu viel Tarnfarbe, wie der Clip zeigt. Die Bundeswehr ist eine Interventionsarmee, sie führt knallharte Kriege um Rohstoffe und behauptet oft, sie täte das für Menschenrechte. Es gibt viele Beispiele, die das Gegenteil von einer „Armee für Menschenrechte“ belegen. In den sogenannten Verteidigungspolitischen Richtlinien (VPR) findet die BRAVO-Redaktion Näheres zum Aufgabenbereich der Bundeswehr.

Die meistgelesene Jugendzeitschrift der BRD sollte nicht das Thema Bundeswehr einfach nur bejubeln, bloß weil die Bundeswehr ein guter Sponsor zu sein scheint. Die BRAVO sollte sich lieber kritisch mit dem Thema Krieg und Frieden befassen, anstatt Jugendlichen das pralle Strandleben bei der Bundeswehr vorzugaukeln. Das wäre unserer Auffassung nach ein echter Schritt hin zu einer neutralen Berichterstattung.

Der  Vorgang ist für ein Jugendmedium vor allem deswegen ein Skandal, indem  man mit der Bundeswehr gemeinsame Sache macht und durch pure Verharmlosung von Krieg und Waffengewalt, hilft, unter Vorspiegelung falscher Tatsachen Soldaten zu rekrutieren, noch dazu in einem Alter, welches von der UN-Kinderechtskonvention als unzulässig eingestuft wurde. Diese Konvention wurde 2004 von Deutschland ratifiziert. Näheres dazu z.B.: unterhttp://www.aufenthaltstitel.de/unzusatzprotokoll.html

Die Bundeswehr selbst verfolgt hier offenkundig das Ziel, cool, trendy und hip auszusehen und bei Urlauben Jugendliche für ihre Form von „Miteinander“ zu begeistern. Viele Jugendliche haben jedoch politisch nicht die Erfahrung, um einschätzen zu können, dass man sie hier unterschwellig für eine Karriere beim Bund und damit auch für Kriegseinsätze begeistern will.

Unserer Auffassung nach braucht ein gesellschaftliches Miteinander keine Armee. Miteinander braucht Demokratie und den Ausbau von örtlichen Jugendzentren, in denen junge Menschen selbstbestimmt und frei von Diskriminierung lernen, diskutieren und auch feiern können. Gewalt als Mittel der Politik lehnen wir ab, folglich lehnen wir auch die Bundeswehr ab.

Wir fordern von der BRAVO-Redaktion neben der sofortigen Beendigung ihrer Kooperation mit der Bundewehr auch eine Entschuldigung, dass sie bei der Propaganda für die Bundeswehr einfach so mitmacht und so tun, als wäre es kein politisches Statement. Dass die BRAVO sich zu schämen scheint oder es der Bundeswehr nicht in den Kram passt, dass man sie kritisiert, sehen wir als Webnutzer_innen durchaus darin, dass unter dem Video bereits die Kommentarfunktion deaktiviert wurde, nachdem es Kritik hagelte und den mehrheitlichen Votes das Video nicht einmal gefiel.

Mit freundlichen Grüßen

Der BundessprecherInnenrat der Linksjugend[’solid]

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