„3+, was ist das?!“

Mit diesem Motto veranstaltete die Linksjugend [‘solid] gestern einen abwechslungsreichen Diskussionsabend im Leos Cafe. Ungefähr 20 Lernende und Lehrende redeten gemeinsam darüber, welchen Zweck Noten im Schulsystem erfüllen und ob es nicht alternative Konzepte gebe, um Neugier bewerten und fördern zu können. Es wurde ein gemütlicher Stuhlkreis gebildet und die Bodenzeitungen, welche für die Mobilisierung benutzt wurden, in die Mitte gelegt, um einen kleinen Einblick in die Ansichten der Karlsruher PassantInnen zu bekommen.

Mit Kaffee und Kuchen wurde die Frage behandelt, welchen Zweck Noten im Bildungssystem eigentlich erfüllen. Konsens war die Antwort, dass die Schule, die Uni oder der Kindergartens im Kapitalismus nicht zur Aufgabe hat, die Persönlichkeit und Fähigkeiten der Menschen zu entfalten, um sie zum solidarischen Leben in der Gesellschaft zu befähigen. Vielmehr hat sie den Zweck, durch Selektion und Disziplinierung verwertbare Arbeitskräfte für den Arbeitsmarkt hervorzubringen. Das Ergebnis der Diskussion war also die Erkenntnis, dass die Abschaffung bzw. Reformierung des Bewertungssystems die Verwertbarkeitslogik im Kapitalismus und den damit einhergehenden Konkurrenzkampf und die Selektion nicht verhindern kann. Das Übel ist also die Verwertbarkeitslogik des Kapitalismus selbst und nicht das für die Schüler erträglich zu machende Noten- bzw. Bewertungssystem. „Denn schließlich wollen wir Krankheiten heilen und nicht deren Symptome lindern“, hieß es mehrfach in der Diskussion.

Doch der Abend bot nicht nur Erkenntnisse auf theoretischer und intellektueller Basis. Denn eine Veränderung unserer Gesellschaft braucht zweierlei: Einmal die Erkenntnis, dass auf unserer Welt vieles verkehrt läuft und ungerecht ist. Dazu muss man die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Prozesse in unserer Gesellschaft analysieren und verstehen. Andererseits bringen die besten Ideen rein gar nichts, wenn man sie nicht in der Praxis versucht. Dies muss aber gemeinsam mit vielen anderen Menschen geschehen, denn nur solidarisch können wir auch auf Alternativen aufmerksam machen und wahrhaftig etwas verändern. „3+, was ist das?!“ hat zweifelsohne einen unignorierbaren Beitrag dazu geleistet. Menschen verschiedener Couleur kamen zusammen, haben ihre persönlichen Probleme im Bildungssystem erörtert und darüber nachgedacht, wie man ein gerechteres System, das allen zugutekommt, erreichen kann.

Die Linksjugend [‘solid] wird auch künftig Menschen die Möglichkeit bieten, gemeinsam über Probleme in unserer Gesellschaft nachzudenken und zu reden. Wichtig dabei ist, dass keine Ansichten, die den absoluten Wahrheitsgehalt für sich beanspruchen, vorgestellt, sondern Inhalte zusammen mit anderen auf Augenhöhe erarbeitet werden.

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