Neues Jahr, neuer Castor!

Vorraussichtlich am 16. Februar 2011 wird ein Castor-Transport mit hochradioaktivem Müll direkt aus Karlsruhe losfahren.
Es werden fünf CASTOR-Behälter befördert in denen sich die in Glas eingeschmolzene sogenannte „Atomsuppe“ befindet, ein Restprodukt aus der Wiederaufbereitung abgebrannter Brennelemente.

 

Die Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe wurde unter Federführung des Forschungszentrums als Prototypanlage errichtet mit der Zielsetzung, Erfahrungen über den Bau einer industriellen Wiederaufarbeitungsanlage zu gewinnen. Der Wiederaufarbeitungsbetrieb wurde Ende 1990 eingestellt und mit dem Rückbau der Anlage begonnen.

Bis etwa Ende der achtziger Jahre war es das erklärte politische Ziel, zur Schließung des nuklearen Brennstoffkreislaufs in Deutschland eine eigene Wiederaufarbeitungsanlage zu errichten. Als Vorstufe für eine industrielle Anlage wurde in Karlsruhe eine Pilotanlage errichtet, in der die wesentlichen Verfahrensschritte erprobt und optimiert werden sollten.

Hierzu gründeten mehrere Unternehmen der chemischen und kerntechnischen Industrie 1964 die Gesellschaft zur Wiederaufarbeitung von Kernbrennstoffen. Im Auftrag des Kernforschungszentrums Karlsruhe übernahm diese Gesellschaft die Planung, den Bau und Betrieb der Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe (WAK). Die WAK wurde vom Forschungszentrum Karlsruhe in den Jahren 1964 bis 1970 im Auftrag des Bundes errichtet.

Planungsarbeiten: ab 1963
Baubeginn: Januar 1967
Inbetriebnahme: September 1971

Eigentümer und Betreiber waren bis 2006 die Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe Rückbau- und Entsorgungs-GmbH (WAK GmbH).

Wiederaufarbeitungskapazität
Die Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe (WAK) war ausgelegt auf einen Durchsatz von 200 kg UO-2 (Uranoxid) pro Tag, maximal 35 t Uran bei 200 Betriebstagen pro Jahr mit einer Anreicherung bis 3 % U-235 – Äquivalent (World Nuclear Handbook 2006: Kapazität 40 tHM pro Jahr).

Der Aufschluss der Brennelemente erfolgt im Chop-leach-Verfahren, die Trennung von Uran und Plutonium im zweizyklischen PUREX-Prozess mit 30 % Tributylphosphat (TBP) in n-Dodekan.

Chop-leach-Verfahren
Als Chop-leach-Verfahren bezeichnet man in der Kerntechnik das Zerschneiden („Chop“) und Auflösen („Leach“) abgebrannter Brennelemente im Rahmen des Wiederaufarbeitungsprozesses.

Die zur Wiederaufarbeitung anstehenden Brennelemente werden aus dem Lagerbecken am Standort der Wiederaufarbeitungsanlage entnommen, hinsichtlich des Abbrandes ausgemessen und in die Zerlegezelle gefahren. Dort werden mit einer Bündelschere zunächst die Kopf- und Fußstücke der Brennelemente abgetrennt. Anschließend werden die Brennstäbe mit einer massiven Bündelschere in etwa 5 cm lange Stücke zerschnitten. Diese setzen sich aus dem Hüllrohr aus Zirkaloy und dem darin befindlichen Kernbrennstoff zusammen. Die Brennstabstücke fallen in den mit heißer Salpetersäure gefüllten Auflöser, wo der Kernbrennstoff auf chemischem Wege aus den Hülsen gelöst wird. Die Bestandteile des Kernbrennstoffs (Uran, Plutonium, Abfallstoffe) werden dann mit Hilfe des PUREX-Prozesses voneinander getrennt. Die radioaktiven leeren Hülsen werden getrennt weiterbehandelt.

PUREX-Prozess
Der PUREX-Prozess ist ein physikalisch-chemisches Verfahren, das bei der Wiederaufarbeitung abgebrannter Brennelemente zur Trennung der darin enthaltenen Spaltstoffe Uran und Plutonium von den nicht mehr verwendbaren radioaktiven Abfallstoffen eingesetzt wird. Die Abkürzung PUREX steht für „Plutonium-Uranium Recovery by Extraction“.

Im Prinzip ist das PUREX-Verfahren eine Form der Extraktion (genauer der Lösungsmittelgegenstromextraktion), bei der eine wässrige Phase (Brennstofflösung) und eine organische Phase (Extraktionsmittel) in engen Kontakt gebracht werden und sich anschließend wieder voneinander absetzen. Als Extraktionsmittel dient ein Phosphorsäureester (Tri-n-butyl-phosphat, Kurzbezeichnung: TBP), der mit 70 % Kerosin verdünnt ist. Daher wird das Extraktionsmittel auch kurz TBP-30 genannt.

Bei der Wiederaufarbeitung werden die Brennstäbe zerschnitten und der Brennstoff mit allen Bestandteilen in heißer Salpetersäure aufgelöst. Das TBP-30 löst anschließend unter Komplexbildung selektiv die Nitrate des Uran und Plutonium aus der salpetersauren Brennstofflösung heraus, während die Nitrate der Spaltprodukte in der wässrigen Phase zurückbleiben. Um möglichst hohe Extraktionsraten zu erreichen, müssen die im Gegenstrom zueinander geführten Flüssigkeiten gut miteinander vermengt werden. Anschließend setzen sich TBP und die wässrige Phase wieder selbsttätig voneinander ab, so dass die mit Uran und Plutonium beladene organische Phase und die wässrige Phase, in der sich die Nitrate der Spaltprodukte befinden, leicht voneinander getrennt werden können.

Da der Trenneffekt eines einzigen Extraktionsschrittes nicht ausreicht, um die erforderlichen Reinheitsgrade zu erzielen, wird dieser Vorgang wiederholt in Mischapparaten durchgeführt, die hintereinander angeordnet sind. Als Mischapparate kommen Pulskolonnen oder Mischabsetzer zum Einsatz.

Einstellung des Wiederaufarbeitungsbetriebes
Nach der Entscheidung, auf eine nationale Wiederaufarbeitungsanlage zu verzichten, gab es keine vertretbaren Gründe mehr, die WAK weiter zu betreiben. Im Jahr 1990, praktisch zeitgleich mit der Aufgabe des Projekts der Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf (für die die WAK die Pilotanlage darstellen sollte), wurde der Betrieb der WAK endgültig eingestellt: Einstellung des Wiederaufarbeitungsbetriebes Dezember 1990, endgültige Einstellung des Betriebes der WAK am 30.6.1991.

Seit der Inbetriebnahme der Anlage im Jahr 1971 wurden bis zum Ende des Auflösebetriebs im Jahr 1990 rund 200 t bestrahlter Brennelemente und Einzelstäbe aufgearbeitet und über 1 t Plutonium abgetrennt. Das gesamte in der WAK abgetrennte Plutonium entspricht bei 70 % spaltbarem Anteil dem Energieinhalt von 1,5 Mio. t Steinkohle.
Durchsatz insgesamt: 207 Tonnen Uran, 1,16 Tonnen Plutonium
Der Brennstoff stammte vorwiegend aus den Forschungsreaktoren des Forschungszentrums Karlsruhe (FR 2 und MZFR), aus dem deutschen Versuchs-Atomschiff Otto Hahn sowie aus den Atomkraftwerken Obrigheim, Stade und Gemeinschaftskernkraftwerk Neckar Block I.

Stilllegung
Das Stilllegungsverfahren der WAK wurde noch im Jahre 1991 eingeleitet.
Insgesamt 20 Stilllegungsgenehmigungen wurden zur Deregulierung und dem Rückbau der Anlage zwischen März 1993 – Februar 2006 erteilt.

Rückbauprojekt Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe (WAK)
Wie atomare Abfälle, hochradioaktiver und schwach-mittelradioaktiver Atommüll getrennt werden, lässt sich in der WAK beobachten: Für weit mehr als eine Milliarde Euro wird die komplette Anlage abgebaut. Das Ziel der Demontagearbeiten ist die Herstellung der „Grüne Wiese“: Alles, was irgendwie radioaktiv verseucht ist – von der kleinsten Schraube bis zur größten Betonmauer – wird entweder gereinigt oder zerkleinert und endlagergerecht verpackt.

Die Einrichtungen und Räume der WAK-Anlage sind im Unterschied zu den Reaktoren überwiegend mit Alpha-Aktivität kontaminiert. Der Rückbau der WAK erfolgt je nach Strahlenpegel mit manueller, semifernbedienter oder fernbedienter Demontage der Verfahrenseinheiten. Zum Einsatz kommen viele eigens hierfür entwickelte Demontageeinrichtungen.

Die zurückzubauende Anlage besteht aus
– dem Prozessgebäude (PG) mit den Einrichtungen zur Aufarbeitung von bestrahlten Kernbrennstoffen,
– den Lagergebäuden „LAVA“ und „HWL“ mit Behältern und Verfahrenseinheiten zur Zwischenlagerung von hochaktivem flüssigem Abfallkonzentrat (HAWC) und mittelaktiven Flüssigabfällen (MAW),
– der Verglasungseinrichtung „VEK“ sowie
– Anlagen und Gebäuden zur Medienversorgung und technischen Infrastruktur.

Ausgangszustand für den Ende Juli 1996 aufgenommenen Rückbau des Prozessgebäudes war, dass alle bestrahlten Brennelemente aus der Anlage ausgebracht und die funktionslos gewordenen Verfahrenseinheiten von radioaktiven Stoffen entleert worden waren.

Insgesamt ergaben sich für den Rückbauprozess folgende Aufgaben:

1. Restbetrieb
– Aufrechterhaltung des sicheren Betriebes der nach Einstellung der Wiederaufarbeitung weiter genutzten Anlagenteile
– Betrieb der Einrichtungen für die Lagerung der hochradioaktiven flüssigen Abfälle aus der Wiederaufarbeitung

2. Rückbau
– Stilllegung und Rückbau der Einrichtungen in den Gebäuden
– Abriss der Gebäude und anschließende Rekultivierung des Geländes

3. Entsorgung
– Fertigstellung und Betrieb der Anlage zur Verglasung der hochradioaktiven flüssigen Abfälle aus der Wiederaufarbeitung
– Entsorgung radioaktiver Reststoffe und abgebrannter radioaktiver Anlagenteilen über die Dekontaminationsbetriebe des Forschungszentrums Karlsruhe

Radioaktive Abfälle
Alle schwach- und mittelaktiven Reststoffe, die beim Rückbau der WAK angefallen, werden zur Hauptabteilung Dekontaminationsbetriebe (HDB) des Forschungszentrums Karlsruhe transportiert. Dort werden sie deklariert, konditioniert und zwischengelagert. Die Messungen zur Deklaration werden in speziellen Fassmessanlagen, die in der HDB installiert sind, durchgeführt. Für den Transport zur HDB erfolgt zuvor jeweils eine Abschätzung der Inventare durch die WAK.

Falsche Abschätzung von Plutoniuminventar
Am 25.02.2000 zeigte eine der Fassmessanlagen im HDB, dass das Plutoniuminventar (Pu) eines Fasses mit Abfall aus der WAK wahrscheinlich zu niedrig abgeschätzt worden war. Um sicher zu gehen, dass die zulässigen Spaltstoffmengen in den HDB-Verarbeitungsbetrieben nicht überschritten werden, wurde dieses Fass wieder zur WAK zurücktransportiert und sein Inhalt detailliert analysiert. Am 11.04.2000 lagen die Ergebnisse der Überprüfung vollständig vor. Sie ergaben eine größere Menge an Reststoffen und damit auch ein höheres Pu-Inventar als in der Transportanmeldung angegeben. Das Inventar des betroffenen Fasses wurde daher in kleinere Transportmengen aufgeteilt und erneut (nach Abschätzung des Spaltstoffinventars jeder einzelnen Transportmenge) zur HDB zur Deklarationsmessung und Konditionierung transportiert werden.

WAK-Fond zur Finanzierung
Aus dem sog. WAK-Fond werden die Kosten der Entsorgung des Atommülls gezahlt. Die AKW-betreibenden EVUs haben in diesen Fond einen Festbetrag von einer Milliarde DM eingezahlt; der Bund ist mit 774 Mio. DM beteiligt, das Land Baden-Württemberg mit 69 Mio. DM.

Rückbaukosten: mindestens 1,675 Milliarden Euro
Die Kosten für den Abriss sind explodiert, weil es Probleme mit der Verglasung des Atommülls gibt. War anfangs von rund einer Milliarde Euro Kosten die Rede, stehen im aktuellen Kostenplan für den Rückbau inzwischen rund 2,2 Milliarden Euro. Von denen trägt der Bund die Hauplast, bisher 1,55 Milliarden Euro. Das Land Baden-Württemberg ist mit 125 Millionen Euro dabei.

Außerdem hat die Bundesregierung auch für weitere Kosten Gelder zugesichert. Das kritisiert der Bundesrechnungshof als ´Blankoscheck´ für die Rückbauunternehmen in einem internen Bericht, der Frontal 21 vorliegt. Die Kernkraftwerksbetreiber haben sich dagegen in Verträgen zusichern lassen, dass sie maximal 511 Millionen Euro beisteuern müssen.

Lagergebäude „LAVA“ und „HWL“
In zwei von fünf Meter dicken Betonschichten umhüllten Edelstahl-Behältern lagerten in der Lagerungs- und Verdampfungsanlage für hochradioaktive Abfälle (LAVA) ständig gekühlt und umgewälzte ca. 70 -80 m3 (70.000 – 80.000 Liter) flüssiger HAWC (High Active Waste Concentrate, hoch-radioaktiver Abfall in verdünnter Salpetersäure) mit einem Radioaktivitätsinventar von ca. 9 x 10E17 Bq, die während der 19-jährigen Betriebszeit angefallen sind. Die hochradioaktiver Lösung beinhaltet ca. 16,5 Kilo Plutonium und 500 Kilo Uran, ist selbsterhitzend und kann durch das Absetzen und Ansammeln auf dem Boden der Behälter eine kritische Masse bilden, deshalb bedarf sie ständiger Kühlung und Durchmischung. Bei Ausfall von Kühlung oder Durchmischung könnte es zu einer Atomexplosion kommen. Die Beseitigung des HAWC inform einer Verfestigung der Flüssigkeit mithilfe gängiger Verglasungsverfahren war ein wesentlicher Bestandteil des Rückbaus der WAK.

Abtransport des HAWC nach Mol/Belgien?
Zu Beginn des Rückbaus der WAK stand auch der Abtransport des HAWC im LAVA-Gebäude in die Verglasungsanlage PAMELA nach Mol/Belgien zur Debatte. Dies hätte bedeutet, dass die hochradioaktive Flüssigkeit mehrfach umgepumpt und in CASTOR-Behältern über weite Strecken transportiert worden wäre.
Bevor dieser Plan umgesetzt werden konnte, fuhr 1995 gegen erheblichen Widerstand aus der Bevölkerung der erste CASTOR aus dem AKW Philippsburg in das niedersächsische Zwischenlager Gorleben. Da die belgische Regierung angesichts der heftigen Proteste nun noch weniger begeistert von deutschen Atomtransporten war, entschlossen sich die Betreiber der WAK für eine Verarbeitung vor Ort.

Verglasung des HAWC vor Ort
Nach der Entscheidung gegen einen Abtransport des HAWC wurde durch ein im Institut für Nukleare Entsorgung (INE) des Forschungszentrums Karlsruhe ein Verglasungsverfahren entwickelt. Zur Durchführung dieser Aufgabe wurde neben der WAK die Verglasungsanlage (VEK) errichtet.

Verglasungsanlage VEK
Der Genehmigungsantrag zum Bau der VEK wurde im Dezember 1996 gestellt und im Dezember 1998 beschieden. Mit dem Bau der VEK wurde 1997 begonnen. Im Dezember 2005 erfolgte 1. Teil-Betriebsgenehmigung für den kalten Betrieb der VEK

Die flüssigen HAWC-Abfälle sollen in der VEK endlagergerecht verfestigt werden: Zum Herstellen von endlagerfähigen Kokillen wurde ein Glasschmelzofen entwickelt, der elektrisch beheizt wird und das Schmelzbad eines speziellen Bor-Silikat-Glases auf einer Temperatur von ca. 1.150 Grad Celsius hält. Diesem Schmelzbad wird der flüssige Abfall von oben zugeführt; dabei verdampft die flüssige Komponente und die radioaktiven Feststoffe werden in die Glasschmelze eingelagert; diese Glasschmelze wird anschließend in Edelstahlkokillen, das sind 1,3 m hohe 150-l-Stahlbehälter, abgefüllt; nach langsamer Abkühlung werden die Kokillen gasdicht verschweißt. Der Schmelzofen hat ein Glasbadvolumen von ca. 150 l, eine Glasbadoberfläche von 0,4 m² und ist ausgelegt für eine Glasproduktionsrate von ca. 5 kg/h.
Die wichtigsten Hauptprozesskomponenten wurden bereits in der so genannten Prototyp-Versuchsanlage (PVA) im Maßstab 1:1 nachgebaut und betrieben.

Kritik am Betrieb der VEK ist angebracht, denn nicht nur dass die Emissionen an Radioaktivität an die Umgebung ansteigen, ein Störfall während des Verglasungsprozess mit Freisetzung der höchstradioaktiven Stoffe könnte eine Katastrophe für die Beschäftigten und Anwohner bedeuten.

In einer Vorstufe ging die VEK Ende 2005 in Betrieb. Ende Mai 2006 befand sich der Schmelzofen der VEK in der Aufheizphase, in der zweiten Jahreshälfte 2006 begann die Kalthantierung mit HAWC-Simulat, Anfang 2007 mit Erteilung der 2. Teil-Betriebsgenehmigung für den heißen Betrieb beginnt der eigentliche Verglasungsprozess.
Laut einer Pressemitteilung des Betreibers, der Energiewerke Nord GmbH von Mitte Dezember 2006 soll die VEK im 2. Halbjahr 2007 in Betrieb gehen.

Nach eineinhalb Jahren – also Ende 2008 – soll der vorhandene HAWC in ca. 130 Glaskokillen abgefüllt sein. Nach dem Verschweißen werden die Kokillen in ein betriebliches Pufferlager der VEK verbracht und von dort mithilfe betriebseigener Verladeeinrichtungen in Transport- und Lagerbehälter vom Typ CASTOR HAW 20/28 CG verladen.
Jeder Castor HAW 20/28 kann mit einer Anzahl von maximal 28 Glaskokillen beladen werden, woraus sich eine Gesamtzahl von fünf bis sechs notwendigen Behältern ergibt. Alle Transport- und Lagerbehälter vom Typ Castor HAW 20/28 CG wurden gefertigt und befinden sich auf dem Gelände der WAK. Mitte 2007 soll sämtlicher HAWC zu Glaskokillen verarbeitet, die Behälter beladen und für den Abtransport fertig sein.

Mit der etwa eineinhalb Jahre dauernden Lagerung der Glaskokillen in den Sicherheitsbehältern auf dem Bereitstellungsplatz der WAK bis Ende 2008 würden unnötige Bahntransporte vermieden. Die Castoren sollen am Ende der Verglasungsaktion zu einem einzigen Bahntransport zusammengefasst werden – was laut Umweltministerium sicherer und auch kostengünstiger ist.
Für eine Zwischenlager der HAW-Kokillen kommen das Zwischenlager Gorleben, wo bereits Kokillen aus der Wiederaufarbeitung in Frankreich lagern, und Lubmin/Greifswald – nach Änderung der derzeitigen Genehmigung – in Frage.

Nach Beendigung des Verglasungsbetriebs wird die VEK stillgelegt und rückgebaut.
Die Kosten für den Bau der Anlage, die Verglasung des Atommülls und den Abtransport des giftigen Materials bezifferte das Forschungszentrum mit 400 Millionen Mark (204,52 Millionen Euro). Der Genehmigungsantrag für den fernbedienten Rückbau der HAWC-Lagerbehälter in HWL und LAVA nach Ende der Verglasung wurde bereits eingereicht, ebenso der Antrag auf Aufhebung der Reservefunktion der HAWC-Behälter im HWL.

Abtransport von CASTOR-Behältern nach Gorleben?
Offizielle Stellungnahmen des FZK beschreiben als Empfänger der fünf CASTOR-Behälter HAW 20/28 CG mit verglastem HAWC der WAK das Zwischenlager Gorleben.
Bereits im Mai 1992 wurden zwischen dem Forschungszentrum Karlsruhe (FZK) und der Brennelementlager Gorleben Betriebsgesellschaft mbH (BLG) für eine längerfristige Zwischenlagerung von CASTOR-Behältern erforderliche Stellplätze im Zwischenlager Gorleben reserviert.
Ein Abtransport der Behälter soll im direkten Anschluss an den Abschluss der Verglasungsarbeiten stattfinden, also nicht vor Ende 2008. Das Umweltministerium in Stuttgart äußert im September 2005 hingegen, dass der Atommüll „bis 2008“ abtransportiert worden ist.

Antrag auf Einlagerung in Gorleben nur „Pro forma“?
Ende Juni 2006 wurde bekannt, dass die Einlagerungsgenehmigung in Gorleben vermutlich lediglich „pro forma“ gestellt wurde, da sie Bestandteil für die Betriebsgenehmigung der VEK darstellt. Das eigentliche Bestreben der Betreiber Energiewerke Nord GmbH sie die Einlagerung im Zwischenlager Nord in Lubmin/Greifswald.
Bereits Ende 2005 nannten die Betreiber mit dem Zwischenlager Lubmin bei Greifswald einem zweiten, möglichen Einlagerungsstandort für den hochaktiven Strahlenmüll aus der WAK: „In den Castorbehältern soll die verglaste ‚Atomsuppe‘ bis zum Abtransport in ein atomares Zwischenlager in Gorleben oder Lubmin bei Greifswald aufbewahrt werden.“ (SWR.de, 28.09.05)

Die Betreiber beider Zwischenlager hatten beim Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) Anträge auf Änderungsgenehmigungen gestellt, diese Behälter einlagern zu dürfen.
Zwei Gründe sprechen für das Zwischenlager Lubmin:
– Die bei dem Abbruch der WAA Karlsruhe tätigen Energiewerke Nord betreiben auch das Zwischenlager Nord in Greifswald-Lubmin – das Zwischenlager Gorleben wird dagegen von der „Gesellschaft für Nuklearservice (GNS)“ betrieben. Es liegt also nahe, dass ein gesteigertes Interesse vorhanden ist, die Kokillen aus Karlsruhe in das betriebseigene Zwischenlager zu bringen. Schließlich geht es auch um Arbeitsplätze im eigenen Unternehmen.“
– Die Atomwirtschaft, vor allem aber die Polizei, haben kaum ein gesteigertes Interesse daran, auch diesen Atommüll ins politisch umstrittenere Zwischenlager nach Gorleben zu bringen.

Zudem ist – bei Berücksichtigung des für die Betriebserlaubnis der VEK vorzulegenden Entsorgungsnachweises – einleuchtend, dass ein Antrag für den Abtransport nach Gorleben gestellt wurde: Für Gorleben wäre – im Gegensatz zu Lubmin – keine grundsätzliche Veränderung der Einlagerungsgenehmigung für HAW-Kokillen notwendig, eine Genehmigung also schneller zu erreichen. Mit einer entsprechenden Genehmigung für Lubmin sei erst Ende 2007 zu rechnen – der Betrieb der VEK sollte aber bereits Anfang 2007 beginnen.

Sammeltransport ab 2009 nach Lubmin/Greifswald?
Im Dezember 2006 wurde bekannt, dass die Energiewerke Nord (EWN) beim Bund die Einlagerung von neun Castor-Behältern mit hochradioaktivem Atommüll aus dem Westen Deutschlands in das Zwischenlager Nord in Lubmin/Greifswald beantragt haben.

Es handelt sich hierbei neben dem Müll aus der WAK Karlsruhe um Brennstäbe, die derzeit zum Teil in Frankreich und Belgien lagern:
– Brennstäbe des Forschungszentrums Karlsruhe, die derzeit im französischen Cadarache sowie im belgischen Mol“ lagern,
– Brennstäbe aus dem Forschungszentrum Geesthacht“ (GKSS) sowie
– hochradioaktive Abfälle aus der Wiederaufbereitungsanlage Karlsruhe.

Energiewerke Nord GmbH werden Betreiber
Auf Beschluss des Bundes, des Landes Baden-Württemberg, des Forschungszentrums Karlsruhe und der bisher als Gesellschafter zuständigen Energieversorgungsunternehmen wurde die bundeseigenen Energiewerke Nord GmbH (EWN GmbH) zum 01.01.2006 als alleiniger Gesellschafter der WAK GmbH bestellt. Grund hierfür sind zahlreiche Skandale im Zusammenhang mit dem Bau der Verglasungsanlage durch radioaktive Verstrahlungen und dem Diebstahl von Plutonium, zudem Kritik an der Kostenexplosion und Zweifel an der Zuverlässigkeit der Betreiber.

Rückbau zur „Grünen Wiese“ bis 2014
Ziel ist der Rückbau der WAK zur „Grünen Wiese“ im Jahr 2014. Die Gesamtkosten der Stilllegung und des Rückbaus werden auf 1,5 Mrd. Euro geschätzt.

Angesichts verschärfter Sicherheitsanforderungen haben sich in den vergangenen Jahren die Abrisskosten der WAK auf etwa 1,9 Milliarden Euro nahezu verdoppelt. Da die Energieversorger keine Nachschusspflicht haben, müssen nach Angaben der Betreiber jetzt der Bund als über 90-prozentiger Hauptfinancier und das Land Baden-Württemberg die Finanzierung der Mehrkosten regeln.

Das Gesamtziel „Grüne Wiese“ für die WAK-Anlage soll in sechs technisch eigenständigen Schritten erreicht werden:

1. Deregulierung und Außerbetriebnahmen funktionslosgewordener Verfahrensbereiche: Dieser Schritt ist abgeschlossen.
2. Erste Rückbaumaßnahmen im Prozessgebäude (15 Systeme): Dieser Schritt ist abgeschlossen.
3. Weiterer Rückbau aller Einrichtungen im Prozessgebäude mit fernhantierten und manuellen Techniken bis zur Aufhebung des Kontrollbereiches: Alle diese Maßnahmen sind in gestuften Stilllegungsgenehmigungen gestattet und bereits weit fortgeschritten.
4. Deregulierung des HAWC-Lagerbereichs HWL/LAVA sowie der VEK nach HAWC-Verglasung (Konzeptplanung in Arbeit).
5. Fernbedienter und manueller Rückbau der HAWC-Lagereinrichtungen, der Verglasungsanlage VEK sowie der Hilfs- und Nebenanlagen bis zur Aufhebung der Kontrollbereiche. Dazu sind erste Genehmigungsanträge gestellt.
6. Konventioneller Abriss aller Gebäude sowie Rekultivierung des Geländes.

Als Voraussetzung zur Durchführung der Schritte 4 bis 6 galt die Entsorgung des noch auf dem Gelände lagernde HAWC. Zur Beseitigung dieses Abfalls wurde die Verglasungseinrichtung auf dem WAK-Gelände errichtet.

Plutonium-Affäre 2001
In der zweiten Jahreshälfte 2001 entwendete ein mit dem Rückbau der Anlage beschäftigter Mann einer Speyerer Firma ein Röhrchen mit plutoniumhaltigen Rückständen und mehrere kontaminierte Wischtücher: Bei einer Routinekontrolle in der WAK wurde festgestellt, dass der Mitarbeiter einer Fremdfirma radioaktiv kontaminiert war. Nach Angaben des baden-württembergischen Umweltministeriums lag „die Plutoniumaufnahme in dem Körper“ über dem zulässigen Grenzwert. Da der verstrahlte Mann an Rückbauarbeiten in der WAK beteiligt war, wurden die Arbeiten bis zur Klärung des Sachverhalt gestoppt. Alle technischen Kontrollsysteme der Anlage wurden überprüft.
Erhöhte Strahlenwerte wurden auch in der Wohnung und im Auto des Mannes gemessen. Diese entwendeten Gegenstände verbrachte der Mann in seine Wohnung, wodurch sowohl diese, als auch seine Lebensgefährtin und ihre Tochter, er selbst und 3 PKW radioaktiv verstrahlt wurden. Gegen den 47-jährigen wurde ein Haftbefehl erlassen. Die Dekontamination der Fahrzeuge und der Wohnung und anschließende Entsorgung kostete das Land Rheinland-Pfalz ungefähr 2 Millionen Euro.

contratom

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