Prekäre Lebenswelten in Karlsruhe

Karlsruhe ist eine gemütliche Stadt im Grünen, mit schönen und von echten Sorgen entfremdet scheinenden Menschen. Aber ihre Fassaden tragen mitunter Risse. Man kann weiter weggehen oder auch andere Wege gehen, um sie nicht zu sehen. Aber man kennt seine Stadt, die Furchen sind da. Sie bleiben, und es werden mehr. Und da man um sie weiß, muss man sich immer seltener zum Ausweichen zwingen. Denn – vielleicht hat man auch schon zu viele gesehen, um ihre Besonderheit als Alltäglichkeit zu erkennen.

Ich bin besorgt – viele Menschen hören diesen Problemen nicht zu, sie schauen nicht hin und wollen auch nichts davon hören. Mit meinen Arbeiten möchte ich dazu beitragen, dass die bleierne Ignoranz wenn nicht schwindet, dann doch abnimmt und man sich mit diesem Thema beschäftigt. Karlsruhe ist zwar eine reiche Stadt, doch „die Schere“ klafft zunehmend weiter auseinander. Mir geht es eben nicht um eine materielle Kluft, sondern gerade um die geistige. „Armut ist nicht finanziell, sie entsteht im Kopf und wird dort gemacht.“ Weder der Mangel an Schulbildung, noch die immer engeren finanziellen Spielräume vieler Menschen engen meiner Meinung nach die Perspektiven ein und erschüttern, sondern der Verlust der geistigen Sicherheit, sich selbst etwas wert zu sein.

Mit meinen Arbeiten möchte ich weder aufdringlich,
noch dozierend dieser Routine des Weg- und Übersehens nachspüren.
Sehe ich mehr als alle anderen? Ja, weil ich es will.
Ich will an Grenzen stoßen und dass über diese gesprochen werden. Hierfür schaue ich hinter eben jene Fassaden, die viele nur zu gerne nicht überwinden möchten. Hinter geschlossene Türen,
auf vergessene Innenhöfe, in aus der gewünschten Zeit gefallene Lebenswelten.

Galerie von Sandra Jacques: Prekäre Lebenswelten in Karlsruhe

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