Interview mit Benjamin Krüger, Mitglied des LandessprecherInnenrates der Linksjugend
[solid] Baden-Württemberg, zum Bildungskongress am 24./25. Juni 2010, an der Universität in
Stuttgart

Thomas Mitsch: Benjamin, danke dass du nach Stuttgart gekommen bist. Am 09. Juni 2010 fanden
die bundesweiten Bildungsproteste statt. Wie hast du die Proteste erlebt?

Benjamin Krüger: Ich studiere zur Zeit in Karlsruhe und habe dort die Proteste erlebt. Dieses Jahr
waren ca. 3000 Bildungsstreik-AktivistInnen auf den Beinen. Erfreulich war das große Protestbündnis
von SchülerInnenLehrerInnen, StudentInnen, Gewerkschaften, Der Partei DIE LINKE. und eben der
Linksjugend [solid] Baden-Württemberg. Leider lag der Protesttermin ein bisschen ungünstig, da viele
in den Prüfungsvorbereitungen steckten. Bundesweit waren 70.000 Protestierende auf den Straßen,
dass zeigt wie tief die Unzufriedenheit ist.

T.M.: Warum habt ihr den Bildungskongress gerade jetzt geplant?

B.K.: Unsere Überlegungen waren die, dass wir nach diesen Protesten die Bewegung mit diesem
Bildungs- und Aktionskongress an der Universität Stuttgart am Laufen halten wollen gerade auch in
Hinblick auf die kommenden Landtagswahlen 2011.

T.M.: Wen habt ihr als ReferentInnen eingeladen?

B.K: Es werden AktivistInnen aus Griechenland und Österreich, die Bundestagsabgeordnete Nicole
Gohlke von der Linkspartei, Tobias Pflüger von der Informationsstelle Militarisierung IMI e.V.,
Bernd Riexinger von ver.di, Ben Brusniak von der Linksjugend [solid] und Bundesvorstand der Partei
DIE LINKE. oder Volkhard Mosler, 68er Aktivist, und viele andere kommen. Auf dem Kongress
sollen die unterschiedlichsten Themen erörtert werden. So z.B. „Eine Schule für alle! – Inklusion von
Menschen mit Behinderung“ oder „Was macht die Bundeswehr an deutschen Schulen“. Interessantes
dürften auch die Podien bieten wie „Bologna und Turboabi – Fehler im System oder Systemfehler“
oder „Athen – Wien – Stuttgart – Bildungsproteste Europaweit“.

T.M.: Was sind eure studentischen Forderungen?

B.K.: Natürlich die Abschaffung der Studiengebühren und die gesetzlich verankerte Gebührenfreiheit
von Bildung, aber auch die Abschaffung von Bachelor/Master in der derzeitigen Form. Ich denke wir
werden auf dem Kongress gute Möglichkeiten finden darüber zu debattieren.

T.M.: Was sind die Forderungen der SchülerInnen?

B.K.: Das mehrgliedrigen Schulsystem muss abgeschafft und kostenlose Bildung für Alle eingeführt
werden. Aber natürlich auch gegen Schulzeitverkürzung, wie dem G8-Abitur. Außerdem finde ich es
wichtig, dass es kleinere Klassen gibt und dazu sollten auch mehr LehrerInnen eingestellt werden. Ein
weiterer Punkt ist die mangelnde Chancengleichheit im deutschen Bildungssystem, welches schon
nach der vierten Klasse selektiert. Nur wenige Kinder aus nichtakademischen Familien machen einen
Hochschulabschluss.

T.M.: Was verstehst Du unter Demokratisierung des Bildungssystems?

B.K.: Mehr Mitspracherecht für SchülerInnen und StudentInnen darüber wie zum Beispiel der
Unterricht aussieht und was an den Schulen und Universitäten passiert. Dies müssen wir einfordern
und ich sehe gute Chancen mit einem breiten Bündnis, unter anderem auch mit dem Bündnis „Wir
zahlen nicht für eure Krise“, den Druck zu erhöhen. Gerade – ich habe es schon mal gesagt – wegen
der Landtagswahl, weil die Bildungspolitik Ländersache ist.

T.M.: Was wünschst du dir für den Kongress?

B.K.: Einerseits, dass sehr viele kommen und die Workshops und Podien besuchen und so danach
etwas in die lokalen Bündnisse und die Bewegung mitnehmen können, andererseits, dass die
Podiumsdiskussionen interessant werden und man inhaltlich arbeiten kann.

T.M.: Danke Benjamin und eine gute Fahrt nach Karlsruhe.

Stuttgart, den 23. Juni 2010

Benjamin Krüger, Mitglied des LandessprecherInnenrates der Linksjugend [solid]
Baden-Württemberg
Thomas Mitsch ist Landessprecher der roten reporter/innen Baden-Württemberg

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