Raus auf die Straße zum Bildungsstreik 2010!

Große Bildungsstreik-Demonstration am 09.06.2010 um 10 Uhr Friedrichsplatz

Letztes Jahr gingen eine viertel Million Menschen auf die Straße, um gegen die bestehenden Missstände im Bildungssystem vorzugehen. Es kam europaweit zu zahlreichen kreativen Aktionen, Protesten und Hörsaalbesetzungen. Die Forderungen der Protestierenden sowie die dadurch angeregte öffentliche Debatte gingen inhaltlich weit auseinander. Die Reaktionen der Politik waren oberflächlich und gingen nur auf wenige Kritikpunkte ein. Unser Protest richtet sich jedoch nicht nur gegen einzelne Fehlentwicklungen der aktuellen Reformen, sondern strebt eine grundsätzlich andere Bildung an.

Der schulische Alltag ist nach wie vor geprägt von Leistungsdruck und Konkurrenzkampf. Anstatt miteinander für das Leben zu lernen und individuell die eigenen Interessen und Begabungen zu fördern, geht es in der Schule um den Kampf um gute Noten und das Auswendiglernen vorgegebener Inhalte für Klassenarbeiten. Kürzungen bei den Bildungsausgaben und Einsparungen im personellen Bereich, zum Beispiel durch Maßnahmen wie das achtjährige Gymnasium, erhöhen den Druck
auf die SchülerInnen. Die Qualität des Unterrichts und der persönliche Lernstand des einzelnen Schülers oder der einzelnen Schülerin müssen zu Gunsten eines vereinheitlichten Lernsystems weichen. Libertäre Pädagogik und Ansätze wie freies Arbeiten werden nicht beachtet. Durch Bestrafungen, Einschüchterung und die Machtposition der LehrerInnen wird die Lust am Lernen genommen. Es herrschen eingefahrene Hierarchien, wodurch es für SchülerInnen nahezu unmöglich ist, den Schulalltag und die Lehrinhalte mitzugestalten. Die schwerwiegenden Entscheidungen, wie und was gelehrt wird, werden in den Kultusministerien gefällt, welche erfahrungsgemäß wenig Interesse an den Anliegen der SchülerInnen zeigen. Die Schulstruktur ist verkrustet und bürokratisch, es fehlen Freiraum und Flexibilität, somit wird das Mitgestalten für SchülerInnen zusätzlich erschwert.

Diese Missstände sind eine Folge des bestehenden Bildungssystems, welches dazu dient, jedem Menschen seinen zukünftigen finanziellen Status und somit seine Stellung in der Gesellschaft zuzuweisen. Durch die Bewertung mit Noten wird zwischen „guten“ und „schlechten“ SchülerInnen unterschieden und eine Einteilung auf die verschiedenen Schulformen – Hauptschule, Realschule und Gymnasium – vorgenommen. Menschen mit Behinderung oder Verhaltensauffälligkeiten werden auf sogenannte Sonder- beziehungsweise Förderschulen ausgelagert. Dass damit nicht nur das Lernen erschwert wird und Barrieren geschaffen werden, die sonst nicht existieren würden, sondern dass dieses Vorgehen zudem noch gegen die Menschenrechte im Sinne der Gleichheit aller Menschen verstößt, scheint dabei niemanden zu stören. Die Selektion ist gewollt und wird durch das aktuelle System aktiv unterstützt. Ziel ist nicht die individuelle Bildung für Alle, sondern Bildung entsprechend den Bedürfnissen der Wirtschaft.

Dieser Prozess geht nach der Schule im Studium und in der Ausbildung weiter. Studieren kann nur noch, wer Studiengebühren zahlt; also die Reicheren und ohnedies Bevorzugten der Gesellschaft. Studiert wird so, wie es der Wirtschaft dient; das heißt in Bachelor und Master auf schnellstem und spezialisiertestem Weg hin zur Arbeitsstelle in der Wirtschaft.

Dabei bleiben eine umfassende Allgemeinbildung und die Möglichkeit, sich je nach Interesse zu vertiefen, meist auf der Strecke. In der Ausbildung sieht es nicht besser aus: Man wird auf die Anforderungen eines einzelnen Unternehmens getrimmt, ohne dabei über den Tellerrand zu schauen.

Die Wirtschaft nimmt auch direkt Einfluss auf die Ausbildungsstätten, indem sie die Finanzierungslücke, die der Staat hinterlässt, durch Sponsoring, Werbung etc. schließt. Sie betreibt unterschwelligen Lobbyismus, indem sie schon bei jungen Menschen ihre Arbeit bewirbt. Die Lerninhalte werden dadurch so weit beeinflusst, dass Wirtschaft und Politik ihrem Ziel, den Einzelnen an den Arbeitsmarkt anzupassen, deutlich näher kommen.

Auch die Bundeswehr bemüht sich, mit Vorträgen, Schulungen und Planspielen an Schulen, die Akzeptanz für das Militär in der Bevölkerung zu stärken und gleichzeitig Nachwuchs für sich zu gewinnen. Allein für diesen Zweck werden Jugendoffiziere ausgebildet.

Daher fordern wir eine Schule für Alle, ohne Ausgrenzung, Benachteiligung und Selektion. Gemeinsames Lernen von der ersten Klasse an; ein Leben lang. Bildung ist ein Menschenrecht und darf deshalb nichts kosten!

Das Ziel soll nicht sein, eine Elite herauszubilden, sondern alle SchülerInnen individuell zu fördern und allen die selbe Bildung zu ermöglichen.

Wir fordern die Abschaffung der Hierarchien und eine Demokratisierung aller Bildungseinrichtungen, die Lernenden sollen Einfluss auf Lehrinhalte und Bildungsalltag nehmen können! Zudem müssen Freiraum und Flexibilität für Eigeninitiativen vorhanden sein.

Motiviert lernen kann man nur ohne Leistungsdruck und Konkurrenz. Anstatt aus Kindern nur nach eigenem Erfolg strebende Einzelkämpfer zu machen, sollen Kooperation und Solidarität im Vordergrund stehen!

Für uns ist Bildung nicht stur Wissen eingetrichtert zu bekommen und auswendig zu lernen, sondern kritisch und selbstständig zu denken, zu hinterfragen, sich eigene Meinungen zu bilden und eigene Interessen zu entfalten. Dazu gehört auch, dass Bundeswehr, Kirche und Wirtschaft keinen Einfluss auf die Schule nehmen dürfen.

Wir lehnen Kontrollstrukturen und Überwachung beispielsweise durch Videokameras an Schulen ab.

Wir wollen für ein selbstbestimmtes Leben lernen und nicht für eine gute wirtschaftliche Verwertbarkeit! Bildung ist Selbstzweck,
nicht Mittel zur Produktion!

Wir solidarisieren uns mit Allen, die sich hier und anderswo für
eine Verbesserung der bestehenden Zustände im Sinne Aller
einsetzen!
Um unsere Unzufriedenheit über die bestehenden Ungerechtigkeiten zum Ausdruck zu bringen, werden wir am Mittwoch, den 9. Juni 2010, streiken! Wir fordern alle SchülerInnen dazu auf an diesem Tag die Schule zu verlassen und mit Eltern, LehrerInnen, StudentInnen und allen anderen Interessierten zu demonstrieren!

Kommt raus zum Bildungsstreik am 9. Juni 2010 !

Aufruf Bildungsstreik Karlsruhe 2010

An alle Heilbronner:

Wer am 09. Juni nach Karlsruhe kommen will.

Treffpunkt: HbF-Vorplatz Heilbronn um 08:00 Uhr

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