Über 4800 Menschen fordern: AKWs endlich abschalten!

Jung und Alt bei Großkundgebung am Pannenmeiler in Neckarwestheim

Neckarwestheim/Stuttgart. Die Anti-Atom-Bewegung lebt: Am Sonntag hat der größte Protest gegen Atomenergie im Südwesten seit mehr als zehn Jahren stattgefunden. Mehr als 4800 Menschen haben in Neckarwestheim gegen die von der Bundesregierung geplante Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke demonstriert. Zu der Großkundgebung hatte ein Bündnis aus 35 Verbände, Initiativen, Stiftungen und Parteien aufgerufen – darunter die Aktionsbündnisse Castorwiderstand und Energiewende Heilbronn, .ausgestrahlt, BBMN, BDKJ, Bündnis 90/Die Grünen, BUND, Deutsche Umweltstiftung, Energiewende-Komitee, DGB, Die Linke, Linksjugend, DUH, IPPNW, Landesjugendring, LNV, NABU, Naturfreunde und SPD. Die Energie Baden-Württemberg (EnBW) beweist seit Wochen wie überflüssig das Atomkraftwerk Neckarwestheim 1 ist“, sagte in der Hauptansprache der Bundesvorsitzende des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Prof. Dr. Hubert Weiger. Denn der Reaktor produziert derzeit weniger als ein Drittel seiner möglichen Strommenge. „Mit diesem Trick versucht die EnBW die Abschaltung hinauszuzögern bis das Energiekonzept der Bundesregierung vorliegt“, betonte Weiger. Dahinter steckt die Hoffnung des Energieversorgers, dass auch dieser Uraltmeiler noch länger laufen darf. „Der störanfällige Pannenreaktor ist gefährlicher als Krebs und überflüssiger als ein Kropf. Er muss sofort vom Netz“, forderte Weiger. „Wenn der Meiler endlich abgeschaltet wurde, wird das wegen der Stromüberproduktion niemand merken.“

Laufzeitverlängerungen für Atomkraftwerke blockieren die Energiewende. Statt die erneuerbaren Energien zu fördern, sorgen sie vor allem für zusätzliche Milliardengewinne der vier großen Stromversorger in Deutschland. Aber gegen die von der schwarz-gelben Bundesregierung geplante Änderung des Atomgesetzes regt sich vielerorts heftiger Widerstand. „Die heutige Kundgebung wird durch ein breites gesellschaftliches Bündnis von über 35 Organisationen getragen. Von jung bis alt und über Parteigrenzen hinweg sind heute Tausende auf die Straße gegangen, um gegen die aktuelle Pro-Atompolitik zu demonstrieren“, sagte Weiger. „Es ist an der Zeit, dass die schwarz-gelbe Bundes- und Landesregierung erkennen, dass die Ablehnung der Atomkraft selbst in den eigenen Reihen und bei ihren Wählern viel größer ist als die Zustimmung. Wir fordern Sie deshalb auf: Schalten Sie die AKWs endlich ab!

Die neu entbrannte Debatte über die Erkundungsarbeiten im Salzstock Gorleben, die Skandale um die atomaren Endlager in Morsleben und Asse zeigen: Das Problem des strahlenden Atommülls ist völlig ungelöst. „Noch ist kein einziges Gramm der Tausende von Tonnen hoch radioaktiver Abfälle sicher entsorgt und jährlich fallen weitere 500 Tonnen hoch radioaktiver Abfälle an. Eine sichere ‚Endlagerung’ war eigentlich Genehmigungsvoraussetzung – mittlerweile ist allen klar: Ein sicheres Endlager kann und wird es nie geben. Deshalb braucht es den schnellstmöglichen Atomausstieg und deshalb darf es auch keine Laufzeitverlängerung geben“, betonte die baden-württembergische BUND-Landesvorsitzende Dr. Brigitte Dahlbender für das Aktionsbündnis.

Die Kundgebung war der Auftakt für den heißen Anti-Atom-Sommer 2010. Weiter geht es mit Aktionen am 24.4.2010 in Biblis und der parallel stattfindenden Ketten-Re-Aktion zwischen den Atomkraftwerken Brunsbüttel und Krümmel, Mahnwachen zum Tschernobyltag (26.4.2010), dem Anti-AKW-Pfingsttreffen in der Schweiz (24.5.2010) und weiteren Aktionen – auch in Süddeutschland. Alle teilnehmenden Organisationen waren sich einig: „Wir werden nicht aufhören zu protestieren, bis diese Dinosauriertechnologie endlich der Vergangenheit angehört.“

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