Klimagipfel Kopenhagen

100 000 auf Demo in Kopenhagen

eine neue Bewegung?

Seit einer Woche verhandeln in Kopenhagen tausende RegierungsvertreterInnen, LobbyistInnen und NGOs über ein neues internationales Klimaabkommen. Ein von den Industrieländern hinter verschlossenen Türen vorbereiteter Entwurf sorgte für Empörung. Deren Regierungen wollten die extrem ungerechte Verteilung der CO2-Emissionen zwischen Süden und Norden für das kommenden Jahrhundert vertraglich verankern, statt die Klimaschulden der Industrieländer anzuerkennen oder gar abzutragen.

Dagegen ging gestern eine breite Koalition von etablierten Umweltverbänden über sozialdemokratische, linke und grüne Parteien aus ganz Europa bis zu den radikaleren Netwerken Climate Justice Now! und Climate Justice Action auf die Straße. Die Demo formte ein buntes Bild aus Eisbären und Pinguinen, schwarz und bunt gekleideten, antikapitalistischen Transparenten und Schildern mit hoffnungsvollen Appellen an die Staats- und Regierungschefs.

Während viele der beteiligten Gruppen lange auf einen fairen ‚Deal‘ auf dieser Konferenz gehofft haben oder noch immer hoffen, sehen andere den Gipfel nur noch als Instrument, um das kapitalistische Business-as-usual mit etwas grüner Kosmetik zu legitimieren und mit dem Emissionshandel neue Märkte und Finanzprodukte zu schaffen. Deshalb formten CJA und CJN ihren Block unter dem Motto „System Change not Climate Change“ und fordern, fossile Ressourcen im Boden zu lassen, und vom kapitalistischen Wachstumszwang abzukehren.

Die Polizei nutzte einige Scharmützel am Anfang der Demo in der Kopenhagener Innenstadt, um später hunderte DemonstrantInnen willkürlich  einzukesseln. Diese wurden gefesselt und mussten stundenlang bei Temperaturen um den Gefrierpunkt auf dem Boden ausharren, bevor sie in Gefangenensammelstellen abgeführt wurden. Dort wurden die insgesamt 969 Festgenommenen in Käfige gesperrt, die Amnesty Dänemark schon im Vorfeld als Verstoß gegen UN-Mindeststandards für die Behandlung von gefangenen angeprangert hatte.

Der Großteil der Demonstration erreichte – wenn auch verspätet – das Bella Center im Süden Kopenhagens, in dem der UN-Gipfel hinter Zäunen und Mauern stattfindet.

Dorthin wollen CJA und CJN am Mittwoch zurückkommen, um in einer Massenaktion des zivilen Ungehorsams den Zaun zu überwinden und eine ‚people’s assembly for climate justice‘ abzuhalten. „Wir wollen für einen Tag den Ablauf des Gipfels unterbrechen und eine andere Agenda setzen“ heißt es in den Aufrufen zur Aktion „reclaim power“. Während manche deutsche NGOs und PolitikerInnen solche Aktionen ablehnen, weil sie angeblich den Interessen von Menschen im Süden schädlich seien, bekräftigten verschiedenste Gruppen und Netzwerke aus dem globalen Süden am Wochenende ihre Teilname.

Vor allem Frauen von den im Meer versinkenden Pazifikinseln, aus Guatemala, Kolumbien, Honduras, Mexico und von den Philippinen berichteten auf einem „Reclaim Power“ – Treffen in bewegenden Statements von ihren Kämpfen und den Folgen des Klimawandels für ihre Lebensgrundlagen. „Wenn ich so viele junge Menschen hier sehe, die ein Bewusstsein für diese Probleme und die nötigen Veränderungen habe, dann könnte ich jeden Tag beruhigt sterben.“, so eine Aktivistin aus Guatemala.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s